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02.07.2013

Ein Ort mit besonderer Ausstrahlung


TROMBACHER HOF - Seit 20 Jahren lassen Künstler aus aller Welt auf dem Trombacher Hof ihrer Kreativität freien Lauf

BAD MÜNSTER AM STEIN-EBERNBURG - Begegnungen mit Kunst, in erster Linie mit neuen Klangwelten zu vermitteln, ist das Arbeitsgebiet von Sigune von Osten, die mit ihrer Familie seit 20 Jahren auf dem Trombacher Hof lebt. Als Symbol initiierte sie den von der Kreuznacher Künstlerin Ursula Reindell geschaffenen „Wanderschuh“ mit absurdem Humor
a la Karl Valentin.

Im idyllischen Tal des Trombachs versteckt gelegen, wurde das Anwesen in den zwei Jahrzehnten zu einem internationalen Treffpunkt der Avantgarde und zu einem „Kreativort“ nicht nur für die Sängerin, Komponistin und Musikkünstlerin Sigune von Osten, sondern auch für zahlreiche Künstler, die hier zu Gast waren und sich von der Umgebung zu Kunstschöpfungen anregen ließen.

„Was mich vor allem gereizt hat, ist die besondere Ausstrahlung dieses Ortes“, nennt von Osten den Punkt, der den Ausschlag für die Familie gab, das historische Klostergut anlässlich ihrer Umsiedlung von Bonn in den Mainzer Raum zu erwerben. Das neue Domizil bot zudem mit der ehemaligen Kapelle und der weitläufigen Bachaue Platz für Veranstaltungen. Bis es soweit war, musste die Familie allerdings in dem ehemaligen Sakralraum meterhohe Holzbretterstapel und andere Hinterlassenschaften wegräumen. Bis heute ist die Erhaltung des Anwesens, dessen Tradition als spirituelle Quelle sich, wie es heißt, bis auf eine keltische Kultstätte zurückführen lässt, eine wichtige Aufgabe für Familie von Osten, die 1998 den Förderverein „Freunde des Trombacher Hofes“ mit überregionalen Mitgliedern gründete. Sigune von Osten rief 1996 Art Point MusiKunstprojekte, das interdisziplinäre, multikulturelle Art Pointensemble und das Festival Parkmusik – Neue Ho(e)rizonte ins Leben.

Seitdem ist das vierte Wochenende im August fixes Datum: Auf dem und rund um den Trombacher Hof präsentieren Künstler aus aller Welt neue Klänge, bietet sich den Besuchern eine Verschmelzung von optischer und akustischer Kunst, von Tradition und Moderne, als Klangwanderung durch die Natur und in der ehemaligen Klosterkapelle mit der pittoresken Felsenbühne. Die Besucher kommen aus ganz Deutschland, aus Basel, Zürich, Paris, Rom und in den letzten Jahren auch vermehrt aus der Umgebung. „Die Parkmusik hat sich insoweit verändert, als das Festival inzwischen in der Region angekommen ist“, stellt von Osten fest, die 2011 mit dem Landesverdienstorden durch den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck ausgezeichnet wurde.

In ihrer mehrschichtigen Arbeitsweise setzt die Künstlerin faszinierende Projekte um, bei denen neben Musikern, Tänzern, Aktions- und Lichtkünstlern auch Amateure eingebunden sind, wie bei der Parkmusik 2012 Schüler des Lina Hilger-Gymnasiums und der Musikschule Mittlere Nahe im „Musicircus“ von John Cage. In diesem Jahr steht das 18. Festival unter dem Motto des Kultursommers „Mit allen Sinnen“. Ein kongeniales Thema für Sigune von Osten, die den Namen Trombacher Hof mit ihren MusiKunstprojekten in alle Welt trägt, beispielsweise auf die Expo nach Shanghai, nach Rio de Janeiro, Luxemburg und Sibiu, ins Zementwerk nach Mainz, in die Kaiserpfalz Ingelheim oder zu den Festspielen Ludwigshafen.

Quelle: AZ Ausgabe Bad Kreuznach vom 02.07.2014


Als Wanderschuh wird man den überdimensionalen Stöckelschuh in bunter Patchworkmanier im lichtgrünen Laubwald des Trombachtals nicht ansehen, aber die Aufmerksamkeit zieht das Kunstwerk von Ursula Reindell (re.) allemal auf sich. Links Sigune von Osten. Foto: Christine Jäckel