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21.09.2007

Asien hat Reindell inspiriert


Die Künstlerin arbeitet mit zauberhaftem Schimmer und Strukturen

Am Wochenende, 22. und 23. September, lassen sich Kunstschaffende bei der landesweiten Aktion "Offene Ateliers" des Berufsverbandes Bildender Künstler wieder über die Schulter schauen und laden zu einem Atelierbesuch ein.

Mit dabei ist Ursula Reindell (Salinenstraße 76). Die Arbeiten der gebürtigen Bad Kreuznacherin, die seit 1976 freischaffend tätig ist, sind zwar beeinflusst von Aufenthalten auf den Philippinen, in Thailand, Sri Lanka oder Hanoi, trotz dieser Inspirationen aus dem asiatischen Kulturkreis und dessen Philosophie hat Reindell ihre eigene künstlerische Handschrift nicht verloren. Und nächste Woche reist sie nach Albanien.

Schon immer ist Reindell vom Geheimnisvollen fasziniert gewesen. Sie gehörte zu den Kindern, die mit Märchen aufgewachsen sind, die ihnen vorgelesen wurden. In den Lackbildern von Pham Luc - Arbeiten des vietnamesischen Künstlers hängen auch in ihrem Atelier - fand sie eine Spur, diesem Anliegen des Unergründlichen näher zu kommen. Schon zwei Mal hat sie mit Pham Luc in Hanoi in dessen Atelier gemeinsam gearbeitet, als "Partner in silence", wie sie zugibt. Denn mit Worten konnten sich beide nicht verständigen. "Nur über die Kunst." Durch die Lacktechnik, die in mehreren Schichten über Farben oder "Fremdkörpern" wie Eierschalen und Blattsilber aufgetragen und jeweils geschliffen werden, erhalten die Bilder einen zauberhaften Schimmer, Strukturen von Krakelee und eine rätselhafte Tiefe. Die flächenhaften Motive erscheinen wie in einer eigenen Welt eine geschlossene Allianz mit dem künstlerischen Ausdruck einzugehen. Dies gilt für die Interpretation von Köpfen aus asiatischen, aber auch anderen Kulturkreisen oder für die Fische, deren Schuppen wie "zum Greifen nahe" schimmern.

Die Porträts in den Lackbildern finden ihr Pendant in den Köpfen aus Rakubrand, die schon 2004 im Schlossparkmuseum ausgestellt waren. In den plastischen Formen nutzt Reindell Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche aus. Die dargestellten Köpfe sind von einem Dreiklang aus Augen, Nase und Mund geprägt, drücken in diesen reduzierten Elementen Melancholie, Erwartung oder Hingabe aus. Das Geheimnisvolle der Lacktechnik ist auch in Aquatinta-Radierungen zu finden, die schon vor ihrer Begegnung mit Pham Lucs Arbeiten entstanden.

Durch pulverisiertes Harz oder Kolophonium auf der Druckplatte, das geschmolzen und geätzt wird, hat Reindell ähnliche Wirkung erzielen können und eine krakeleehafte Sprache entwickelt. Zu sehen sind auch Arbeiten aus Pappmaché, Papierschichten auf Seide und Aquarelle gearbeitet mit Reliefpaste - inspiriert von Eindrücken aus Bangkok

Von Beate Vogt-Gladigau

Bad Kreuznach, Allgemeine Zeitung vom 21.09.2007